Nach den „global flows“: der „Heimkehrer“ als paradigmatische Figur einer post-globalen Kultur?
Die Rhetorik der „global flows“ löst die soziale Welt in eine Zirkulationssphäre abstrakter Ströme von Information, Symbolik und Gütern auf, in der soziale Akteure auf ihre Eigenschaft als Konsument und Rezipient dieser Ströme reduziert werden. Vernachlässigt wird dagegen die im wahrsten Sinne des Wortes erdende Kraft lokaler Bezüge im Kontext anderer, und zwar stärker auf Körperlichkeit und Wiederanknüpfungsfähigkeit bezogener Alltagsvollzüge. Gegen die Zelebrierung von Hypermobilität und technologisch induzierter Allgegenwärtigkeit gerichtet fragt Jörg Dürrschmidt in seinem Projekt nach der Bedeutung von überschaubaren Alltagsterritorialitäten und der über sie vermittelten lebensweltlichen Zugehörigkeit in einer Welt der globalen Ströme. Im Zentrum der Überlegungen soll die Sozialfigur des „Heimkehrers“ stehen. Sie verdeutlicht die Einsicht, dass auch im Zeitalter eines technologisch vernetzten globalen Raumes, die Kunst des Wiederanknüpfens an lokale Alltagsgewissheiten und regionale Wissensbestände keineswegs einfacher sondern eher noch prekärer geworden ist. Das Projekt stützt sich auf halbstrukturierte Interviews mit ostdeutschen Heimkehrern zu ihrer nach 1989 angetretenen „späten Reise“ in die globale Gesellschaft.
Jörg Dürrschmidt ist Habilitant am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Universität Kassel.