Odyssee über die Ägäis. Die Flucht der Jüd*innen aus Griechenland (1943–1944)
Wie gelang etwa 1.000 Jüd*innen die Flucht aus dem von den Achsenmächten besetzten Griechenland? Wie konnten sie gegen jede Wahrscheinlichkeit aus einem politisch-militärischen Kontext fliehen, der die Handlungsmacht von jüdischen Individuen und Kollektiven drastisch einschränkte, und welche externen Faktoren wirkten dabei auf sie ein? Diese Fragen stehen im Zentrum dieses Forschungsprojekts, das sich mit dem Exodus der Jüd*innen aus Griechenland in die Türkei in den Jahren 1943 und 1944 beschäftigt. Der geografische Fokus liegt dabei auf dem Mikrokosmos zwischen Euböa und Çeşme, der während des Zweiten Weltkriegs Schauplatz verschiedener Formen von Migration wurde. Der Exodus war Teil eines Geflechts an Migrationsbewegungen und das flüchtende Individuum wurde somit Teil eines Kontexts, in dem sich Strukturen von Flucht, Evakuierung, Schmuggel, und Geheimdienstaktivitäten überlappten. Inmitten dieses Rahmens beleuchtet das Projekt das Handeln Einzelner und rückt somit das Individuum und dessen agency in den Vordergrund.
Julia Fröhlich ist Doktorandin am Institut für Orientalistik (Universität Wien) und DOC-Fellow der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (2023–2025). Zudem ist sie die Schriftleitung von Diyâr. Zeitschrift für Osmanistik, Türkei- und Nahostforschung. Ihre Forschungsinteressen umfassen folgende Themen: Flucht- und Migrationsphänomene (insbesondere im Kontext des Holocaust), trauma studies sowie Gender- und Geschlechtergeschichte mit Bezug auf das Osmanische Reich und die Türkei.