Verborgene Malerei. Annäherungen an ein vorsokratisches Verständnis von Bildlichkeit
Das Forschungsprojekt entwickelt auf der Basis einer historisch-kulturwissenschaftlichen Analyse der etruskischen und lukanischen Grabmalereien ein alternatives Modell von Bildlichkeit. Dieses Bildkonzept vorsokratischer Prägung begreift Bilder in erster Linie als Erscheinenlassen sowie als immanente Raumeröffnung. Es unterscheidet sich damit deutlich von dem bis heute wirkmächtigen Modell, das Platon (als Kritik an der Macht der Bilder) formuliert hat und das auf Ähnlichkeit, Repräsentation und Wiedererinnerung beruht. Der dargestellte Bildbegriff ist daher von zentraler Relevanz für die Bildforschung und vor allem auch die Bildanthropologie, in der der Zusammenhang von Bild und Tod vermehrt diskutiert wird. Die etruskischen und lukanischen Grabmalereien blieben dabei bisher weitgehend unbedacht, obwohl sie eine herausragende Stellung innehaben: Sie zeugen von einer anderen Art des Denkens, in der Raum, Leben, Sein und Erkennen aufs Engste miteinander verbunden sind.
Julia Meer hat Germanistik und Philosophie an den Universitäten Graz und Wien sowie an der Université de Vincennes – St.-Denis (Paris VIII) studiert. Sie war als Mitarbeiterin an zwei FWF-Projekten beteiligt – Künstlerphilosoph_innen. Philosophie als künstlerische Forschung sowie Bodytime. An interdisciplinary inquiry on regular body rhythm and its dysfunctions. Ihre Dissertation mit dem Titel „Expeausition“. Eine korporale Philosophie der Bilder hat sie am Institut für Philosophie der Universität Wien vorgelegt und sich darin bildtheoretischen Fragestellungen gewidmet. Seit 2017 ist sie Lehrbeauftragte an der Karl-Franzens-Universität Graz, und seit 2019 ist sie an der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien tätig. 2019 war sie im Zuge eines Forschungsaufenthaltes an der Academia Kantiana, Immanuel Kant Baltic Federal University in Kaliningrad, Russische Föderation. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Ästhetik, Bildtheorie, Differenztheorie, Körperphilosophie und Wahrnehmungstheorie.