»CV Machine«. Übersetzungsmaschine und Überlebenshilfe für den Arbeitsmarkt
Die CV Machine übersetzt unreguliertes Leben in saubere, marktakzeptable Lebensläufe. Als Automaten-Service für Optimierung und Deoptimierung hackt sie eine Kultur der Selbstoptimierung und Profi-Performances und deckt eine weitestgehend unbeobachtete Kultur alltäglicher Übersetzung auf – die fortlaufende marktgerechte Umformung der eigenen Lebensgeschichte. Sie ignoriert dabei, dass das Vermeiden von »Lücken im CV« mit Privileg verknüpft ist. Wie ein amerikanischer Colt gibt sich die CV Machine als »Equalizer«, der Privilegien einebnet. Selbstverständlich bleibt sie damit eine unfunktionelle Prothese.
Skandale um »aufgehübschte CVs« oder plagiierte Dissertationen sind die Ausläufer eines steigenden Drucks, zu erscheinen und zu performen, der im Verhalten globaler Demagogen ins Groteske verzerrt wiederkehrt. Rufe nach einer »Kultur des Fehlschlags« und aufrichtigen Lebensläufen – und nach einer Rückkehr zu realitätsbezogener Politik – werden in der Zwei-Wege-Übersetzung der CV Machine abgebildet.
Käthe Wenzel liefert Survival Kits für das Überleben im Patriarchat: Prothesen, zur Ergänzung »mangelhafter« Körper, Maschinen und Produkte zum Überwinden von Hindernissen der Hegemonialkultur. Sie beschäftigt sich mit Utopie, Zukunft und alternativen Weltentwürfen. Dazu infiltriert sie städtische Systeme und Service-Leistungen von der Straße bis ins Internet. Internationale Ausstellungstätigkeit, seit 2016 ist sie Professorin für Ästhetische Praxis an der Europa-Universität Flensburg, BRD. Sie war Fulbright Exchange Scholar an der SVA New York und erhielt zahlreiche Förderungen und Stipendien, unter anderem der Stiftung Kulturfonds, der Böll-Stiftung, das NRW-Stipendium Kunst-Wissenschaft-Wirtschaft, der Karin-Abt-Straubinger-Stiftung und andere. Sammlungen u. a. Deutsches Historisches Museum, Berlin, Deutsches Technikmuseum Berlin, LWL Museum für Kunst und Kultur und andere. Wenzel studierte in Marburg, Florenz und Berlin und promovierte 2003 über »Fleisch als Werkstoff, Objekte auf der Schnittstelle von Kunst und Medizin«.