»Just in time«. Neue Narrative weiblichen Alter(n)s
Während weibliches Alter traditionellerweise abgewertet und bestenfalls mit Unsichtbarkeit assoziiert wird, zeigen sich in der Gegenwartsliteratur, sowohl in fiktionalen als auch autofiktionalen Texten, zunehmend komplexe und höchst unterschiedliche Darstellungen älterer und hochbetagter Protagonistinnen. Das Projekt erforscht diese neuen Figurationen, Narrative und Innenansichten des Alterns und Alters, fragt nach ihren Poetiken des Körpers und der Zeit ebenso wie nach genealogischen und intertextuellen Strategien. Das Alter kenne keine Übergangsriten, mutmaßte Simone de Beauvoir in ihrer Studie Das Alter (La vieillesse) und verwies damit auf eine fehlende Bereitschaft, über das Alter als eine Lebensphase mit ihren eigenen Entwicklungsstadien nachzudenken. Doch auch wenn zeitgenössische Narrative des Alterns Gebrechlichkeit und Verlust detailliert verzeichnen, brechen sie dennoch oft mit der automatischen Verknüpfung von Alter und Verfall und entwickeln neue Modelle intergenerationaler und intertextueller Verbindung.
Lena Ekelund studierte Germanistik, Italienisch und Philosophie an der Universität Hamburg und der Università degli Studi Roma 3. An der Universität Hamburg promovierte sie mit einer Dissertation zu Trauma und Überlieferung in der jüdischen Gegenwartsliteratur mit dem Titel Töchterstimmen. Ihre Forschungsinteressen umfassen Traumanarrative und Postmemory ebenso wie Narrative weiblicher Adoleszenz und weiblichen Alterns.