Projektbeschreibung

»Just in time«. Neue Narrative weiblichen Alter(n)s

Während weibliches Alter traditionellerweise abgewertet und bestenfalls mit Unsichtbarkeit assoziiert wird, zeigen sich in der Gegenwartsliteratur, sowohl in fiktionalen als auch autofiktionalen Texten, zunehmend komplexe und höchst unterschiedliche Darstellungen älterer und hochbetagter Protagonistinnen. Das Projekt erforscht diese neuen Figurationen, Narrative und Innenansichten des Alterns und Alters, fragt nach ihren Poetiken des Körpers und der Zeit ebenso wie nach genealogischen und intertextuellen Strategien. Das Alter kenne keine Übergangsriten, mutmaßte Simone de Beauvoir in ihrer Studie Das Alter (La vieillesse) und verwies damit auf eine fehlende Bereitschaft, über das Alter als eine Lebensphase mit ihren eigenen Entwicklungsstadien nachzudenken. Doch auch wenn zeitgenössische Narrative des Alterns Gebrechlichkeit und Verlust detailliert verzeichnen, brechen sie dennoch oft mit der automatischen Verknüpfung von Alter und Verfall und entwickeln neue Modelle intergenerationaler und intertextueller Verbindung.

Lebenslauf

Lena Ekelund studierte Germanistik, Italienisch und Philosophie an der Universität Hamburg und der Università degli Studi Roma 3. An der Universität Hamburg promovierte sie mit einer Dissertation zu Trauma und Überlieferung in der jüdischen Gegenwartsliteratur mit dem Titel Töchterstimmen. Ihre Forschungsinteressen umfassen Traumanarrative und Postmemory ebenso wie Narrative weiblicher Adoleszenz und weiblichen Alterns.

Publikationen
2024 
»Tove Janssons Sommerbuch. Vom kindlichen zum orphischen Erzählen«, in: Julia Boog-Kaminski et al. (Hg.), Spielarten des Naiven. Kindliche, künstliche und manierierte Erzählweisen in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, Würzburg 2024, S. 61–74.
2021 
Töchterstimmen. Transgenerationale Traumatisierung und literarische Überlieferung in Texten von Barbara Honigmann, Viola Roggenkamp, Julya Rabinowich, Olga Grjasnowa und Katja Petrowskaja, Würzburg 2021.
2020 
»Webs and Threads and Shirts of Destiny: Textile Imagery and the Aesthetics of Transmission in Barbara Honigmann’s Ein Kapitel aus meinem Leben (2004) and Katja Petrowskaja’s Vielleicht Esther (2014)«, in: Modern Languages Open (1), p 10, DOI: http://doi.org/10.3828/mlo.v0i0.302.
2020 
»Biller goes Weltliteratur? Übersetzen und Verflechten als Techniken transnationalen Gedenkens in den Erzählungen Prager Frühling und Vor der Flucht«, in: Svetlana Arnaudova und Doerte Bischoff (Hg.), Figuren des Transnationalen. (Re-)Visionen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, Dresden 2020, S. 48–61.
2020 
mit Julia Boog-Kaminski und Kathrin Emeis (Hg.), Aufbruch der Töchter. Weibliche Adoleszenz und Migration in Literatur, Theorie und Film, Würzburg 2020.