Denkkollektive des Umweltwissens. Das Wiener Institut für Soziale Ökologie zwischen Wissenschaft, Politik und Medien (1970er–1990er)
Ob in Wien oder Berlin, in Vermont oder Montevideo – seit Ende der 1970er-Jahre wurden weltweit sozialökologische Zentren ins Leben gerufen. Aufgrund der Umweltkrise taten sich Wissenschaftler*innen, Aktivist*innen und zivilgesellschaftliche Gruppen zusammen, um neue Perspektiven auf Mensch-Umwelt-Relationen zu entwickeln und die Politik zu informieren. Welche Gruppendynamiken zeichneten jene Zusammenschlüsse aus, die angelehnt an Ludwik Flecks Wissenschaftstheorie als »Denkkollektive« gelten können? Auf welche Weise prägte insbesondere das Institut für Soziale Ökologie in Klagenfurt und Wien Wissen zur Begegnung der Umweltkrise? Das Forschungsprojekt Denkkollektive des Umweltwissens untersucht die Gründungsphase von sozialökologischen Forschungszentren im Hinblick auf die Zusammenarbeit von Geistes- und Naturwissenschaftler*innen, Medienschaffenden und Aktivist*innen.
Assoziierte Forscherin am ifk
Lisa Cronjäger ist Medienkulturwissenschaftlerin und Wissenschaftshistorikerin mit Schwerpunkten in der Umweltgeschichte. Nach Studium, Promotion und Forschungsaufenthalten in Berlin, Helsinki, Basel und Lausanne ist sie im Sommersemester 2025 Research Fellow am Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaften der Kunstuniversität Linz in Wien.
Ihre Doktorarbeit Umtriebszeiten. Forsteinrichtungskarten und die Umwandlung von Wäldern im 19. Jahrhundert ist 2025 in der Reihe Historische Wissensforschung im Wallstein Verlag erschienen. In dieser Studie untersuchte sie die Visualisierungsverfahren von Forstkarten, die eine nachhaltige Forstwirtschaft gewährleisten sollten und letztendlich Monokulturen vor Augen führten. In ihrer Forschung geht es oft darum, Wissensproduktion und Bildgebungsverfahren im Kontext von Ressourcenkonflikten und politischen Bewegungen zu untersuchen: angefangen mit den im 19. Jahrhundert in Europa gegründeten Forstakademien über sozialökologische Forschungszentren während der Umweltbewegungen der 1970er- und 1980er-Jahre bis hin zu geisteswissenschaftlichen und aktivistischen Perspektiven auf die Klimakrise in der Gegenwart.