Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
Wie wird der Zweite Weltkrieg in staatlich finanzierten postsozialistischen Gedenkmuseen repräsentiert, die nach 1989 (wieder-)eröffnet wurden? Den Kontext der Untersuchung bilden die „Europäisierung der Erinnerung“ und die postsozialistische Neuerfindung von Geschichte. Das Projekt vergleicht Dauerausstellungen in Gedenkmuseen von EU-Mitgliedstaaten in Ostmittel- und Südosteuropa. Über einen bloßen Überblick über die Museen, ihre Entstehungsgeschichte und die Frage, was sie repräsentieren, hinausgehend, wird untersucht, wie „doppelte“ bzw. „dreifache“ Okkupation und der Holocaust, Opfernarrative und Kollaboration in den jeweiligen Ländern verhandelt werden, aber auch, welche Auswirkungen die EU-Beitrittsbemühungen auf dieses Aushandeln hatten. Dass einige Ausstellungen nach 1989 mehr als einmal verändert wurden, erlaubt uns, die Dynamik der Opfernarrative, der Externalisierung und des „negativen Gedächtnisses“ zu untersuchen. Wie rekurrieren die Museen auf „europäische Standards“, und inwieweit übernehmen sie den von Holocaust-Museen ausgehenden Trend, das (individuelle) Opfer in den Mittelpunkt zu rücken?
Ljiljana Radonić verfasst ihre Habilitation über den Zweiten Weltkrieg in post-sozialistischen Gedenkmuseen am Institut für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und lehrt über (ostmittel)europäische Erinnerungskonflikte seit 1989 am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien.