Field Recordings und »Environmental Sound«. Zur Epistemologie, Technik und Ästhetik akustischer Ökologien
Seit den späten 1960er-Jahren kann eine Konzeptionalisierung der Aufzeichnung und Ausgabe von Klang als environment beobachtet werden. Akustische Ökologien tragen wesentlich zur Institutionalisierung der Sound Studies und zur Konstitution von Klang als eigenständiges epistemisches Objekt bei. Das Projekt arbeitet aus medienkulturwissenschaftlicher Perspektive die spezifische Epistemologie akustischer Ökologie-Konzepte seit der Mitte des 20. Jahrhunderts auf und bestimmt die Rolle dieser Theorietradition für die Fachgeschichte des interdisziplinären Feldes der Sound Studies. Es fokussiert hierfür die Mediengeschichte von Field Recordings als Umgebungsaufnahmen, die nicht durch richtende Techniken der Mikrofonie einzelne Klangereignisse freistellen, sondern Habitate oder Ökosysteme als spezifische Wirkzusammenhänge vermitteln möchten, indem sie die Neigung der akustischen Aufzeichnung zur Kontamination durch Noise nicht als Problem, sondern als Potenzial adressieren.
Maren Haffke ist Medienwissenschafterin und Musikwissenschafterin. Sie ist als Akademische Rätin für Sound/Digitaler Sound am Lehrstuhl für Digitale und Audiovisuelle Medien der Universität Bayreuth tätig und war zuvor Postdoktorandin im interdisziplinären Graduiertenkolleg Das Dokumentarische – Exzess und Entzug an der Ruhr-Universität Bochum sowie Stipendiatin der Mercator Research Group Räume Anthropologischen Wissens – ebenfalls an der Ruhr-Universität Bochum. Ihre Dissertation Archäologie der Tastatur. Musikalische Medien nach Friedrich Kittler und Wolfgang Scherer erschien 2019 im Fink Verlag. Gegenwärtige Forschungsschwerpunkte sind die Mediengeschichte akustischer Ökologien, die Epistemologie materialistischer Medientheorien, die Geschichte digitaler Medien und Medien der Sorge. Maren Haffke ist Mitglied der Redaktion der Zeitschrift für Medienwissenschaft, Mitglied im Forum Antirassismus Medienwissenschaft.