Reinventing »Red Vienna« after 1945. Reconstruction, Transitional Justice, and Everyday Life
Das Buchprojekt untersucht das Wechselspiel zwischen alltäglichen Anliegen einfacher Parteimitglieder und der Rekonstitution der Parteiorganisation im Kontext der Bemühungen der Parteifunktionäre den Ruf Wiens in der Zwischenkriegszeit als Vorbild für den kommunalen Sozialismus wiederherzustellen und eine dezidiert sozialdemokratische Form österreichischer Identität zu fördern. Zu den untersuchten Themen gehören Denunziation ehemaliger Nazis, die sich der Registrierung nach dem Verbotsgesetz entzogen hatten; Arbeitsdienst für ehemalige Nazis; Rehabilitierungsgesuche von Sozialdemokrat*innen; die Nazis geworden waren; Parteipatronage; Wohnungsanforderungen; Sozialhilfe für zurückkehrende Emigrant*innen, KZ-Häftlinge und Kriegsgefangene; die Wiederherstellung eines demokratisch orientierten städtischen Schulwesens.
Matthew Berg ist Professor für Zeitgeschichte an der John Carroll University in Cleveland, Ohio, wo er Kurse und Seminare zur mitteleuropäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts, zum Kalten Krieg und zu Menschenrechten gibt. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Gründungsjahre der Zweiten Republik Österreichs. Zu seinen Veröffentlichungen zählen Studien zur österreichischen Sozialdemokratie, Stadtgeschichte mit Schwerpunkt Wien sowie Erinnerung und Vergangenheitsbewältigung in Österreich seit 1945. Er ist vierfacher Empfänger von Fulbright-Stipendien in Österreich und Deutschland. Außerhalb seiner Arbeit an seiner Universität war er als Wahlbeobachter für die OSZE in Aserbaidschan, im Kosovo und in der Ukraine tätig. Er promovierte 1993 in Geschichte an der University of Chicago und erwarb 1984 seinen BA in Geschichte an der University of California in Los Angeles.