Radical Transactions. Broken Coins, Silver Flows, and the Problem of Intercultural Translation in the Early Modern Pacific
Seit dem späten sechzehnten Jahrhundert flossen gewaltige Mengen Silber aus der Neuen Welt nach China der Ming- und später der Qing-Dynastie. In diesem Zusammenhang spielte Manila eine entscheidende Vermittlerrolle: Indem es die Bergbaugebiete Neuspaniens und Perus mit den chinesischen Märkten verband, ermöglichte es die Zirkulation von Reichtum in einem beispiellosen Ausmaß. Wirtschaftshistoriker*innen haben die Gründung Manilas daher als den »Geburtstag des Welthandels« bezeichnet und diesen Silberreichtum zum Symbol der nahtlosen Integration stilisiert, die oft mit der ersten Globalisierung assoziiert wird. Dieses Projekt rahmt jene Erzählung neu, indem es die Silbermünzen, die durch diese Netzwerke zirkulierten, nicht durch die Linse abstrakter Handelsströme oder Wechselkursdiskrepanzen betrachtet, sondern als instabile und umkämpfte Medien des interkulturellen Austauschs. Geschnitten, durchbohrt, beschnitten oder mit Prüfstempeln versehen, tragen diese Münzen die Spuren dessen, was Llanos »radical translations« nennt – in Anlehnung an Quines ingeniöses Gedankenexperiment zur Interpretation einer völlig fremden Sprache –, nämlich die kreativen Weisen, auf die chinesische und spanische Kaufleute pragmatisch Wert übertrugen, in Abwesenheit eines gemeinsamen Handelsrahmens, stabiler Preisäquivalenzen oder gegenseitigen institutionellen Vertrauens.
Miguel Llanos de la Guardia hat einen PhD in Vergleichender Literaturwissenschaft von der University of Chicago (2026). Sein erstes Buchprojekt, vorläufig betitelt The Money of Others: Translation, Trust, and Value along the Silver Way, untersucht, wie Unterschiede in der Handelspraxis und Währungskultur im späten sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert zwischen dem spätkaiserlichen China und der frühneuzeitlichen hispanischen Welt ausgehandelt wurden, sowie die Bedeutungsüberschüsse von Wert, Austausch und kultureller Diskrepanz, die diese Vermittlungen erzeugten. Seine breitere Forschung erkundet wirtschaftliche und literarische Vorstellungen sowie Repräsentationen des Anderen durch die Linse der Kultur- und Translationswissenschaften, wobei er auf Quellen zurückgreift, die von literarischen Texten bis hin zu materiellen Artefakten reichen. Er ist externer Mitarbeiter des Projekts zur Digitalisierung der Numismatischen Zentralkartei (NZK) am Institut für Numismatik und Geldgeschichte der Universität Wien. Seine Arbeit wurde u. a. vom Fulbright-Programm und der La Caixa Foundation gefördert.