Das Krankenbett als Objekt und Raum. Zur materiellen Kultur der Psychiatrie des 19. und 20. Jahrhunderts
Bis heute bildet das Krankenbett ein zentrales Element unserer Vorstellung von Krankheit und Behandlung. Mit der Einführung der Bettbehandlung an der Wende zum 20. Jahrhundert wurde das Krankenbett auch in der Psychiatrie zu einem zentralen Objekt therapeutischen Handelns, zu einem „Medikament“ im eigentlichen Sinne des Wortes. Kranke wurden, oft über Wochen und Monate, im Bett liegend therapiert. Der medikale Raum der Psychiatrie, der über das Bett seine epistemische Funktion, ordnende Struktur und therapeutische Wirkung entfalten sollte, stand dabei jenem Raum gegenüber, den die PatientInnen (im Liegen) erlebten und in der Reduktion ihrer Handlungen auf das Bett erfuhren. Ziel des Forschungsvorhabens ist es, am Beispiel des Krankenbettes, das als Raum und Objekt konzipiert und analysiert wird, historische Perspektiven auf eine materielle Kultur der Psychiatrie herauszuarbeiten.
Monika Ankele studierte Geschichtswissenschaften in Graz, Wien und Berlin und promovierte mit einer Arbeit zu Selbstzeugnissen von Psychiatriepatientinnen aus der Sammlung Prinzhorn. Seit 2012 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Geschichte und Ethik der Medizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf und arbeitet aktuell an einem DFG-Projekt zur materiellen Kultur der Psychiatrie, unter anderem am Beispiel des Krankenbettes.