Refugees’ (digital) citizenship from below. On translation, care and digital infrastructure in the context of forced migration
Wie nutzen Geflüchtete digitale Infrastrukturen, um über Grenzen hinweg Verantwortungs- und Sorgebeziehungen aufrechtzuhalten? Wie formen solche Verflechtungen die politischen Subjektivitäten von Geflüchteten? Und wie überschneiden sich diese Praktiken mit den Bemühungen um eine »Staatsbürgerschaft von unten« (citizenship from below), die das Potenzial hat, soziokulturelle Realitäten zu verändern? Palmbergers ethnografische Forschung befasst sich mit diesen zentralen Forschungsfragen und zeigt, wie Geflüchtete durch die digitale Infrastruktur mehrfache Kopräsenzen mit ihnen nahestehenden Personen aufbauen, die sich über verschiedene geografische Orte erstrecken und in unterschiedlicher physischer und virtueller Nähe koexistieren. Es wird untersucht, wie Geflüchtete durch diese digital vermittelten transnationalen Care- und Placemaking-Strategien Grenzregime überwinden und Zugehörigkeit aufbauen. Die Forschung stützt sich auf Theorien zu »Acts of Citizenship« und postkoloniale Theorien der Repräsentation. Sie setzt sich kritisch mit den Ideen von Migration als Übersetzung und Repräsentation durch Übersetzung auseinander.
Monika Palmberger promovierte an der University of Oxford (2011). Derzeit ist sie Senior Research Fellow am Institut für Kultur- und Sozialanthropologie an der Universität Wien und Associate Research Fellow am Department of Social and Cultural Anthropology an der Universität Leuven. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Migration, Care, Erinnerung und Generation sowie digitale Ethnographie. Palmberger ist Mitbegründerin der Digital Ethnography Initiative und Co-Sprecherin der Arbeitsgruppe „Migration and Memory“ der Memory Studies Association. Sie ist Autorin des Buches How Generations Remember: Conflicting Histories and Shared Memories in Post-War Bosnia and Herzegovina (2016) und Mitherausgeberin der Bücher Care across Distance: Ethnographic Explorations of Aging and Migration (2018) und Memories on the Move: Experiencing Mobility, Rethinking the Past (2016).