Das Haben als Seinsform. Theorien und literarische Darstellungen des Eigentums um 1800
Das Projekt versteht sich als Beitrag zu einer Geschichte des Subjekts, die sich über die Konvergenz unterschiedlicher Wissensfelder erschließen lässt. Es untersucht die im 18. und frühen 19. Jahrhundert sehr enge Verbindung zwischen der Definition des Subjekts und der des Eigentums: Letzteres wird, von Locke bis Hegel, vor allem vom Individuum und von einer Philosophie des Subjekts her gedacht, umgekehrt ist die Fähigkeit, sich über das, was man sich aneignet, selbst zu erfahren, aber auch ein zentrales Definiens des Subjekts. Dies steht zugleich in einem Spannungsverhältnis zum Eigentum als Begründungsmoment des Gesellschaftsvertrags (bei Rousseau). Das Projekt wird sich einerseits mit theoretischen Begründungen des Eigentums auseinandersetzen und andererseits deren ökonomische und gesellschaftliche Implikationen beleuchten, wie sie die zeitgenössische Literatur (z.B. in der Figur des Räubers) reflektiert. Alle diese Momente treten zu einer subjekthistorischen Konstellation zusammen.
Assoziierte Forscherin am ifk
Sandra Janßen ist Komparatistin und Wissenschaftshistorikerin und forscht als Annemarie-Schimmel-Stipendiatin an der Universität Erfurt, wo sie seit Jänner 2024 ein DFG-Netzwerk zur Wissensgeschichte des Subjekts zwischen Psychologie und verschiedenen Sozialwissenschaften leitet. Frühere Stationen umfassen eine Lehrtätigkeit an der Freien Universität Berlin sowie Gast- und Vertretungsprofessuren an der University of Chicago, der Universität Wien und der Universität Bonn.
Neben der Geschichte des Subjekts liegen ihre Forschungsschwerpunkte in der Verbindung von Wissensgeschichte und Literatur, speziell in der Psychologiegeschichte sowie der deutschen und französischen Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts. Sie steht vor dem Abschluss einer Habilitationsschrift zum »totalitären Subjekt«, die Psychologie, politische Theorie und Literatur der 1930er- und 1940er-Jahre zueinander in Beziehung setzt.