Violent Work, Work of Violence. Entangled Histories of Mining and Violence
Dieses interdisziplinäre Projekt versteht die dem Bergbau inhärente Gewalt als historisch konstitutiv für den Bergbau als Beruf, als produktiv für Formen kollektiven Lebens und Erinnerns sowie als einen Faktor, der Arbeits-, Familien-, Geschlechter- und Sozialbeziehungen maßgeblich prägt. Durch die Verbindung ethnografischer Methoden, Archivarbeit und der Analyse kultureller Texte untersucht das Projekt Prozesse und Ereignisse des langen 20. Jahrhunderts, die die Realität von Bergbaugemeinschaften in mehreren Regionen des ehemaligen Jugoslawiens geprägt haben: Grubenunglücke und Katastrophen, die schädlichen Auswirkungen des Bergbaus auf Umwelt, Körper und Psyche sowie Bergarbeiterstreiks. Dieses vielfältige Material zeigt, wie die dem Bergbau inhärente Gewalt soziale, moralische und affektive Ökonomien bestimmt, wie sie in soziale, kulturelle, künstlerische und mediale Narrative über den Bergbau eingeschrieben ist und wie sie die politischen Subjektivitäten und Kollektivitäten der Bergarbeiter sowie ihre politischen Kämpfe formt. Das Projekt eröffnet neue Perspektiven auf das Verhältnis zwischen Gewalt und Bergbau und verweist auf die komplexen Weisen, in denen Erinnerung und Gewalt miteinander verbunden sind. Dabei wird der Bergbau als ein sozialer Raum sichtbar, in dem »schnelle« und langsame Gewalt miteinander verflochten sind.
Tanja Petrović ist Leiterin des Instituts für Kultur- und Erinnerungsforschung am Forschungszentrum der Slowenischen Akademie der Wissenschaften und Künste (ZRC SAZU). Sie beschäftigt sich mit dem Nachleben des sozialistischen Jugoslawiens und damit, wie dieses die Realität der postjugoslawischen Gesellschaften prägt. Sie ist Honorary Research Associate der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien in Regensburg und war Fellow am Centre for Advanced Studies in Sofia, am Netherlands Institute for Advanced Study sowie am Wissenschaftskolleg zu Berlin. Sie ist Autorin und Herausgeberin mehrerer Bücher sowie zahlreicher Artikel und Essays in den Bereichen Anthropologie des Postsozialismus, Memory Studies, Geschlechtergeschichte, linguistische Anthropologie und Arbeitsgeschichte. Ihr jüngstes Buch trägt den Titel Utopia of the Uniform: Affective Afterlives of the Yugoslav People’s Army (Duke University Press 2024).