Eine Globalgeschichte der modernen Bibliotheken
Das langfristige Forschungsprojekt von Ulrich Johannes Schneider betrifft die Globalgeschichte der Bibliotheken, genauer der modernen Bibliotheken. Dabei konzentriert er sich auf die Nutzung der Bibliotheken und deren Status in den verschiedenen Gesellschaften. Er hat das Projekt im Jahr 2018 begonnen und füllt eine seitdem stetig wachsende Datenbank. In seiner geplanten dreibändigen Studie will er ein übergreifendes Bild der modernen Bibliotheken entwerfen, das heißt der Bibliotheken seit dem 19. Jahrhundert. Für ihn ist eine moderne Bibliothek (a) ein Gebäude für Menschen und für Bücher, (b) ein durch Bedürfnisse gesteuerter Bestandsaufbau, der (c) durch Kataloge allgemein zugänglich gemacht wird.
Besonders interessiert ihn die Diversität der Bibliotheksnutzer*innen. Schon 1857 reservierte das British Museum Arbeitsplätze für Frauen im Lesesaal, 1870 eröffnete die Boston Public Library einen Lesesaal für Kinder. In vielen Ländern gab und gibt es Bibliotheken für Werktätige. Öffentliche Bibliotheken fungieren fast überall als Teil des Bildungssystems. Schneider möchte beschreiben, wie genau Bibliotheken durch ihre Nutzung definiert werden.
Ulrich Johannes Schneider ist Professor am Institut für Kulturwissenschaften der Universität Leipzig und war Direktor der UB Leipzig von 2006 bis 2022. Sein derzeitiges und langfristiges Forschungsprojekt gilt der globalen Geschichte moderner Bibliotheken. Er folgt dabei den Lesenden selbst in die Lesesäle, beobachtet sie in sozialen Räumen, die der individuellen Entfaltung eigener Ideen dienen. Haustechnik ist dabei ebenso relevant wie Ästhetik – die Modernität der Bibliotheksbauten zeigt sich in beiden Dimensionen.