Projektbeschreibung

Anthropology of Colonial Crime. Laghouat (Algeria) in Perspective

Während seines Fellowship wird Yazid Ben Hounet an seinem Essay über das Massaker von Laghouat arbeiten, das sich am 4. Dezember 1852 und in den darauffolgenden Tagen ereignete. Es gibt mindestens drei Gründe, warum das Massaker von Laghouat von besonderer Bedeutung ist. Erstens ist es nur unzureichend dokumentiert. Da es sich 1852 ereignete, fällt es außerhalb der von den Historikern Alain Ruscio (1830–1851) und William Gallois (1830–1847) abgedeckten Zeiträume. Zweitens ist es in Browers Desert Named Peace (2009) symbolisch für die Terrorpolitik, die sich gegen die Bevölkerung Südalgeriens richtete. Drittens verdichtet es »alle Schrecken des Krieges« und erscheint als einer der genozidalen Höhepunkte der kolonialen Eroberung. Das Massaker löschte innerhalb weniger Tage zwei Drittel der Einwohner*innen von Laghouat aus. Es hinterließ tiefe Spuren bei der lokalen Bevölkerung, die das Jahr 1852 bis heute als am al khaliya (»das Jahr der Leere« oder »Vernichtung« auf Arabisch) bezeichnet, um daran zu erinnern, dass die Stadt ihrer meisten Einwohner*innen beraubt wurde.

Lebenslauf

Yazid Ben Hounet ist Sozialanthropologe und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS), angegliedert an das Laboratoire d’Anthropologie Sociale (CNRS – Collège de France – EHESS) in Paris. Er promovierte 2006 an der École des Hautes Études en Sciences Sociales (EHESS) und habilitierte 2020 (HDR) an der Universität Paris. Seine wissenschaftliche Arbeit befasst sich vor allem mit den Schnittstellen von Rechts- und Politischer Anthropologie in muslimischen Gesellschaften, mit besonderem Schwerpunkt auf Nordafrika. Seine Forschungen haben sich mit Stammesfragen im heutigen Algerien, lokalen Versöhnungsprozessen in Algerien und im Sudan, Rechtspraktiken im Zusammenhang mit Eigentum sowie Verwandtschaftsstudien befasst. Seine aktuelle Forschung konzentriert sich auf Kolonialverbrechen in Algerien. Er lehrt zudem als außerordentlicher Professor an der Comenius-Universität Bratislava und war kürzlich Gastprofessor an der National University of Singapore.

Publikationen
2025 
»Algeria: The Continuous and Ever-Present Spectre of Genocide. Laghouat 1852«, in: Journal of Genocide Research, 1–19, 2025. https://doi.org/10.1080/14623528.2025.2596388
2021 
Crime and compensation in North Africa. A Social Anthropology Essay, London/New York: Palgrave 2021. / Crimes et compensations en Afrique du Nord. Essai d’Anthropologie Sociale, Alger: Barzakh.
2018 
Yazid Ben Hounet (ed.), Law and Property in Algeria: anthropological perspectives, Leiden: Brill 2018.
2018 
»Conflict, Property, Mortgage and State Courts in Khartoum«, in: Barbara Casciarri and Mohamed A. Babiker (eds.), Anthropology of Law in Muslim Sudan Land, Courts and the Plurality of Practices, Leiden: Brill 2018, p 187–202.
2017 
with Deborah Puccio-Den (eds.), Truth, intentionality and evidence: anthropological approaches tocrime, Routledge 2017.