In welchem Verhältnis stehen Körper im Tanz mit Gesellschaftskörpern? Zwischen den 1920er- und 2020er-Jahren hin und her schaltend untersuchen Tanzwissenschaftler*innen, Choreograf*innen, Tänzer*innen, Kultur- und Medienwissenschaftler*innen Körperpolitiken. Beide Zeiträume sind von Polykrisen geprägt, und auf körperliche Befreiung und geschlechterpolitische Öffnung antworten autoritäre, maskulinistische Verhärtungen.
Die Tagung fragt danach, wie sich Tanz- und andere Bewegungsmedien, speziell der Film, dazu verhalten. Wie werden Körper formatiert, Bewegungen formiert und Bewegung im Raum umsortiert, wenn Gesellschaften nervös sind, zunehmend von Angst durchzogen? Welche Artikulationen oder auch welche Auswege werden in Choreografien sichtbar, wenn Experimentelles zunehmend blockiert wird und Bedrohungen für vulnerable Menschen zunehmen?
Anlass für die Tagung ist die Feier von 100 Jahren Tanzausbildung für modernen Tanz an der Anton Bruckner Privatuniversität in Linz. Isolde Klietmann, später von den Nationalsozialisten nach Argentinien vertrieben, gründete damals in Linz ihre wegweisende Tanzschule, die ihre Weiterführung im heutigen, dem zeitgenössischen Tanz gewidmeten, Institute of Dance Arts fand, das Rose Breuss lange Zeit leitete.
