Towards a Cinema of Care. Eine Kinotheorie der Sorge
Das Projekt widmet sich der ästhetischen und politischen Konturierung eines »Cinema of Care« – eines Kinos der Sorge. Hierbei werden historische, gesellschaftspolitische und filmtheoretische Perspektiven verschränkt und im Rückgriff auf radikale, erneuernde Filmpraxen ab den 50er-, 60er- und 70er-Jahren bis in die Gegenwart (z. B. im Bereich des Feminismus oder des sogenannten Third oder Fourth Cinema, aber auch von radical film) kritisch fabulierend aktualisiert. Sie betreffen nicht nur das Filmemachen selbst, sondern, etwa mit ciné-clubs, auch die Schaffung neuer Formen von Öffentlichkeit. Während das bewegte Bild heute proliferiert, scheint »das Kino« als eine kulturelle Praxis in die Krise geraten und obsolet geworden zu sein. Genau da setzt die Dimension der Sorge an, die besonders die institutionelle Geschichte nicht bloß der Verblendungen, sondern auch der Verletzungen des Kinos – Stichworte hierfür sind etwa Segregation, rassistisches und sexistisches Blickregime – einer nicht zuletzt therapeutischen Relektüre unterzieht.
Brigitta Kuster ist Professorin am Institut für Kulturwissenschaft und Medienwissenschaft sowie am Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien der Humboldt-Universität zu Berlin. Sie hat in Philosophie an der Akademie der bildenden Künste Wien promoviert. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der Film- und Geschlechterforschung, der postkolonialen Theorie sowie den Migrations- und europäischen Grenzstudien, insbesondere im Hinblick auf die politischen und ästhetischen Dimensionen bewegter Bilder. Kusters Arbeit verbindet theoretische mit ästhetischer, künstlerischer und kuratorischer Praxis und beschäftigt sich mit Fragen der Repräsentation, des Archivs, der Mobilität, visueller Kulturen und Formen des politischen Kinos. Neben ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit war sie an zahlreichen künstlerischen, kuratorischen und forschungsbasierten Projekten in internationalen Kontexten beteiligt. Sie ist Mitglied des European Institute for Progressive Cultural Policies (EIPCP) sowie der Publikationsplattform transversal texts.