11 März 2019
  • Lecture
IFK

WIRKLICHKEITEN DES SIMULATIVEN

18:15
Artifizielle Stadt der Metropolitan Police, England; Foto: Andrea Kretschmann

Weltweit wird das policing von Straßenprotest durch Polizeien in eigens zu diesem Zweck gebauten Nachbildungen von Städten simuliert.

Auf urbanen Terrains trainieren Polizeien das, was sie als reale Herausforderungen in protest policings antizipieren. Hierfür entwickeln sie möglichst realitätsgetreue Szenarien, die sie unter umfangreichem Material- und Personeneinsatz in verteilten Rollen umsetzen. Mit bis zu 600 Beteiligten werden zumeist von schweren Ausschreitungen gekennzeichnete Proteste simuliert: der Bewurf der Polizei durch Flaschen oder Molotow Cocktails, das Anzünden von Autos oder der Bau von Barrikaden gehören etwa zum Repertoire. Der Vortrag widmet sich dem Phänomen aus stadtsoziologischer Perspektive und aus Perspektive der Politischen Soziologie. Gefragt wird nach in den Trainings entstehenden Wirklichkeiten des Simulativen, ebenso wie nach der sozialen Bedeutung eines derartigen ‚governing through enactment‘.

 

Andrea Kretschmann ist Soziologin und Kriminologin. Seit 2015 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Centre Marc Bloch, An-Institut der Humboldt-Universität zu Berlin. 2015 hat sie zur theoretischen und empirischen Konzeption von Rechtskonformität promoviert und sich dabei auf Bourdieus Rechtsdenken spezialisiert. Aufenthalte als Gastwissenschafterin führten sie u. a. an die EHESS, die Universität Versailles, die Johns Hopkins University und die Universität Wien. Derzeit ist Andrea Kretschmann IFK_Research Fellow.

 

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