Program

19 - 25 August 2018

Die Frage nach Zugehörigkeit und ihren Formen ist seit mehreren Jahren wieder aktuell. Sie wird verschärft durch politische Debatten um Nationalität, Sprache, Kultur und Religion, aber auch durch gesteigerte Mobilität, durch Medien und Digitalisierung, durch die Neuordnung von Verwandtschaftsbeziehungen und die Sehnsucht nach verlässlicher Freundschaft.

Seit Beginn der Moderne werden genealogische Ordnungen relativiert und (um)gestaltet: Der Großfamilie folgte die Kleinfamilie, der Kleinfamilie die Patchworkfamilie. Seit wenigen Jahrzehnten haben darüber hinaus Genforschung, Reproduktionstechnologie oder die rechtliche Gleichstellung homosexueller Partnerschaften die Systeme der Verwandtschaft oder des Erbrechts neu definiert; zugleich werden Haus- und Lebensgemeinschaften signifikant erweitert: heute schon durch Heimtiere, zukünftig vielleicht auch durch Roboter.

Die Transformationsprozesse der Vorstellungen von Zugehörigkeit spiegeln sich nicht zuletzt im Aufstieg nationalistischer oder gar rassistischer Propaganda. Mit dieser – leider ebenfalls aktuellen – Beobachtung verbindet sich die Frage nach der Geschichte des Nationalismus, Rassismus und der Zugehörigkeitskonstruktionen von Kulturen, Klassen oder Religionen. Wie kann man überhaupt zu einem Staat, einer Bevölkerung, einer Kultur oder einer Religion „gehören“? Und wie verträgt sich die Behauptung solcher Zugehörigkeiten mit der Entfaltung jener beispiellosen Mobilität, die gerade im Zuge der Modernisierung und Globalisierung – technisch (Verkehr, Medien), politisch (Flucht und Vertreibung, Welt- und Bürgerkriege) und ökonomisch (Arbeitsmigration) – erzwungen wird?

Auf der IFK-Sommerakademie 2018 sollen die vielfältigen Perspektiven dieses Wandels von Zugehörigkeit in der Moderne bearbeitet und diskutiert werden, und zwar in folgenden fünf Sektionen: