Program

21 - 27 August 2016

Am Anfang steht der Mangel. Zwar ist die Zahl der weltweit hungernden Menschen seit der Jahrtausendwende signifikant gesunken. Doch nennt der aktuelle Welthunger-Bericht von 2015 immer noch eine Zahl von 795 Millionen Hungernden; nahezu die Hälfte aller Sterbefälle von Kindern unter fünf Jahren kann in den betroffenen Ländern auf Unterernährung zurückgeführt werden. Essen ist die soziale Praxis schlechthin: Sobald wir essen, bilden wir eine Art von Gemeinschaft, die sich bestimmten Regeln und Ritualen unterwirft. Das Ideal der Tischgemeinschaft – vom platonischen Symposion bis zum christlichen Abendmahl – ist oft genug als politisches Sinnbild des Friedens und der politischen Integration zitiert worden. Seit der Industrialisierung der Landwirtschaft und der Fleischproduktion in der Moderne ist uns das Essen freilich immer unheimlicher geworden: Unstrittig ist nicht nur die Grausamkeit zeitgenössischer Massentierhaltung oder die gesundheitspolitische Bedenklichkeit des massenhaften Einsatzes von Antibiotika oder Pestiziden, sondern auch der eminente Beitrag unserer Formen der Viehzucht zur Emission von Treibhausgasen und zum Klimawandel. Müssen wir anders essen lernen?